Becoming the Best – Prep Schools in den USA


Vor ca. 2 Wochen erschien im Manager Magazin (10/2013) ein Artikel zu den so genannten Prep (Preparatory) Schools in den USA.  Als ich den Artikel gelesen hatte, war ich ziemlich sauer und das aus mehreren Gründen.

Aber vielleicht mal kurz zur Erläuterung, was PrepSchools überhaupt sind, denn so bekannt sind Sie in Deutschland vermutlich noch gar nicht. Prep steht für Preparatory. Diese Schulen bereiten Schüler auf Ihre weiterführende Ausbildung, meistens bevor es auf eine der besten Universität geht und zwar mit einem buntgemischten Angebot aus Sport, Literatur, Musik, Rhetorik, karitativen Maßnahmen etc.  Ziel ist es die zukünftigen Studenten/innen auf das Leben an den besten Unis und dem anschließenden Berufsleben vorzubereiten und Ihnen eine Zeit der Orientierung zu geben. Die Prep Schools werden auf Wikipedia im Übrigen mit den deutschen Gymnasien gleichgesetzt.

Prep School Trinity School

So weit, so schön.  Was mich so unglaublich geärgert hat, ist dass diese Prep Schools im Manager Magazin als die neue Eliteschmieden dargestellt wurden. Wer also auf eine solche Prep School geht, muss was Besonderes sein und wird eines Tages mal ein ganz Großer – besonders in der Wirtschaft.  Da ist die Rede von Jungs und Mädels, die schon in der Schule wussten, dass Sie mal Investmentbanker werden wollen und in dem Sie auf eine Prep School gehen, werden Sie natürlich eine der Besten unter den Besten.

Wenn man sich dann aber mal anschaut, was man während der Zeit auf einer Prep School alles so erfährt und erlebt, dann bleibt bei mir ein großes Fragezeichen auf der Stirn, das fragt: Ja, haben wir das nicht alle in einer gutbürgerlichen, konservativen Erziehung erfahren dürfen? Da ist die Rede von Literatur- Kunst- und Theaterkursen, die man besuchen kann, von der Möglichkeit Instrumente zu erlernen, davon in die Kirche zu gehen, sportlichen Aktivitäten nachzugehen und einige Kurse zu besuchen, die Rhetorik und Wirtschaftswissen vertiefen. All das gibt es dann für schlappe 35.000$ / Jahr.

Nun, also ich konnte Literatur- und Theaterkurse an der Schule besuchen, dass ich in meinem Leben kein großer Maler mehr werden würde, merkte ich spätestens in der 11. Klasse auf dem Gymnasium, ein Musikinstrument habe ich mit 6 Jahren erlernt – also einem Alter, in dem auch Sinn macht ein Instrument zu erlernen. Mein Papa hat mich in den Schwimmunterricht gesteckt und in die Kirche zu gehen, war – aus einem katholischen Hause stammend – Bestandteil meiner Erziehung.

Dennoch scheint es in den USA so zu sein, dass die Absolventen an Universitäten, die vorab eine Prep School besucht haben,  eine besondere Elite darstellen: Die Absolventen der 20 Top Prep Schools, stellen immerhin 1/3 der Studierenden an den Elite Unis wie Stanford oder MIT. Im Vergleich:  Im Durchschnitt landen gerade mal 0.01% der amerikanischen Abiturienten an diesen Unis.

„Prep schools are organized to ensure elite college placement–that’s the whole idea,” sagte einmal Mitchell L. Stevens, Professor an der Stanford University.  Na dann…

Mir ist schon klar, dass es darum geht aus jungen Menschen Persönlichkeiten zu machen. Es ist auch schön zu lesen/hören, dass es hier um Vielfalt geht, die Möglichkeit junge Menschen sich entdecken zu lassen.  Das man dafür natürlich auch die Zeit braucht um sich auszuprobieren versteht sich von selbst. Schließlich muss man wissen, in was man gut ist und was einem Spaß macht. Aber braucht es dafür eine eigene Schulform? Ist nicht genau dafür das Leben, die Erziehung, die Kindheit und die Jugend da? Sind es nicht wir selbst und unsere Eltern, die dafür verantwortlich sind? Aber wenn ich dann Buchtitel von amerikanischen Professoren lese, die da heißen: „The Best of the Best: Becoming Elite at an American Boarding School.“ dann wird mir ehrlich gesagt anders. Als könnte man für Geld einer der Besten werden.

Also:

  • Die Prep School sind ein Ersatz für Erziehung. Erziehung, die zu Hause stattfinden sollte und nicht in eigens dafür gegründete Institutionen
  • Wer eine gutbürgerliche Erziehung genossen hat, braucht keine Prep School
  • Junge Menschen müssen sich ausprobieren dürfen. Dadurch reifen Sie, erlangen Ihre Werte und Überzeugungen und werden eigenständige Persönlichkeiten. Wir sollten in unserer Gesellschaft dafür den Raum geben und unsere Kinder nicht überladen.
  • Prep Schools sind mit unseren Gymnasien zu vergleichen und damit NICHTS BESONDERES… Gepaart mit soliden Erziehung hat jeder die gleichen Chancen wie Prep-School Absolvent n – der vermeintlichen Elite von morgen.

Also bitte liebe Wirtschaft: Messt den Prep School keine so hohe Bedeutung zu!  Jeder der eine durchschnittliche konservative Erziehung genossen hat, wird all das, was Prep Schools ihm beibringen können/wollen, bereits kennen und das für sage und schreibe 0€.

Es wäre wesentlich interessanter sich mal mit er Frage zu beschäftigen, warum die Amerikaner eine solche Institution überhaupt benötigen?….

Link: Americas Best Prep Schools

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